Selamatan – eine javanische Zeremonie

Sie werden dann abgehalten, wenn jemand zur Welt kommt, jemand heiratet oder jemand stirbt. Aber auch dann, wenn man in ein neues Haus einzieht, ein eigenes Geschäft eröffnet oder kurz vor dem wichtigen Uniabschluss steht. Oder, wie es vor einer Woche im Dorf Blimbing auf Zentraljava im Hause von Aris Eltern geschah, für das erste Mal Haare Schneiden zweier kleiner Kinder. Die Rede ist von den sogenannten „Selamatan“. Ein Wort, das sich nicht 1 zu 1 übersetzen lässt, da es diese Zeremonie in unserem Sprach- und Kulturkreis gar nicht gibt und daher auch kein Begriff dafür existiert. Eine annähernd treffende Beschreibung könnte sein; „eine Zeremonie, um für etwas oder jemanden einen Segen zu sprechen/ um für etwas Bevorstehendes gutes Gelingen zu erbitten“.

Die verschiedenen Selamatans unterscheiden sich in ihrer Form kaum voneinander. Lediglich jene kurzen Minuten, in welchen die Gebete für den jeweiligen Anlass der Feier gesprochen werden, varieren leicht. Ansonsten läuft eine solche Zeremonie nach dem immer gleichen Muster ab.

Am Tag vor der Feier kommen die Frauen aus der Nachbarschaft dort, wo das Fest stattfinden wird, zusammen. Sie sind sehr gut organisiert. Eine Frau übernimmt jeweils das Zepter und koordiniert. So kümmert sich die eine um das Kochen des Reises über dem offenen Feuer, eine andere ersteigert auf dem Markt zwei Hände voll Hühner, wobei wieder eine andere für das Schlachten, Rupfen und Zerlegen der Tiere verantwortlich ist. In einer anderen Ecke der Küche klopfen zwei Frauen Eier für die Küchlein und vor dem Gasherd steht eine Alte, die die Krabbenchips frittiert. Und so weiter.

Am nächsten Tag – am Tag der Zeremonie – geht das geschäftige Treiben in der Küche dann schon frühmorgens weiter. Alles Rohe wird zu Gebackenem, Gekochtem und Frittiertem umgewandelt. Bis dass alles ready ist und steady für die Boxen. Denn das während Stunden zubereitete Essen wird anschliessend feinsäuberlich zu immer gleich grossen Portionen in kleine Kartonboxen abgefüllt…

…die dann am Abend bei der Zeremonie an die ausschliesslich männlichen Gäste verteilt werden. Es sind die Ehemänner jener Frauen, die stundenlang in der Küche mit den Vorbereitungen beschäftigt waren, die nun eintrudeln. Immer um 19 Uhr abends kommen sie, in ihren bunten Sarong-Röcken und Gebetskappen, setzen sich auf ausgelegten Matten im Kreis rund um die Boxen, begrüssen sich, beten dann gemeinsam, essen und trinken ein wenig, packen die Boxen ein und fahren dann nur ca. 20 Minuten später auf ihren Motorrädern wieder davon. Und schon ist der ganze Zauber vorbei.

Die Vorbereitung der Selamatan, die ein ebenso wichtiger – wenn nicht sogar der eigentlich wichtigste Teil der Zeremonie – ist, liegt also in den Händen der Frauen. Die Selamatan selbst, also das Beten und Segen-Sprechen in jener der Männer. Strikte Rollenteilung, die ganz gut funktioniert.

2 Kommentare zu „Selamatan – eine javanische Zeremonie

  1. Ja, genau. Die Männer werden zum einen direkt im Anschluss an die Zeremonie vor Ort verköstigt, zum anderen erhalten sie diese Box mit dem Essen – manchmal auch mehrere Boxen – um mit nach Hause zu nehmen.

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